Fluplatzimpressionen

 

Die Entstehung des „Electrick“ oder: „Wie baue ich einen 1,6 Meter- Hochdecker der 40er-Hubraumklasse in einen effektiveren Elektro-Trainer um?“

(Bilder zum Vergrößern anklicken!)

Anmerkung:                                                                                                                                  Zu allererst möchte ich klarstellen, dass das zur Umrüstung auf Elektroantrieb (mit der von mir vorgegebenen Motorisierung) vorhandene Verbrennermodell mindestens 1,5 Meter und maximal 1,8 Meter Spannweite haben soll. Das maximale Abfluggewicht unbetankt sollte bei höchstens 2600 Gramm liegen und für 2- oder 4-Takt Motoren von 5- bis 8,5 ccm ausgelegt sein. Für Modelle, deren Gewicht, Größe und Motorhubraum darüber oder darunter liegen, sind die folgenden Angaben und Ausführungen nicht zielführend!

Vorüberlegungen:                                                                                                                         Mein erster, durchaus gelungener Versuch, einen Motor-Trainer in einen Elektro-Trainer zu konvertieren, war der „THOR Elektro“ mit einem AXI 2820/12 Brushlessmotor als Antrieb, einer APC 11/5,5 Elektro-Luftschraube und einem 11,1 Volt 5000er Lipo-Akku. Seit dem ich dieses Modell erfolgreich mit Flugzeiten bis zu 40 Minuten zur Schulung einsetze, haben mich mehrere Modellfluginteressierte verdutzt gefragt, wo man denn diesen besagten "Thor Elektro" beziehen kann. Natürlich nirgends, weil es ja ein von mir geschaffenes Unikat ist. Leider muss man feststellen, dass die Bandbreite der angebotenen Elektro-Modelle dieser Größenordnung und für diesen Zweck sehr gering ist. Deswegen sind Eigeninitiative und Improvisation gefragt.

Vor diesem Hintergrund wird ein 4 Jahre alter  "Kyosho Trainer" mit einem etwas stärkeren Elektromotor ausgerüstet. Das Abfluggewicht sollte ungefähr jenem des Thor Elektro (ca. 1950 Gramm) entsprechen. 

In meinem Fall hatte besagter Kyosho Trainer mit einem OS LA 46 (7,5ccm) 2-Takt Motor ca. 2400 Gramm Abflugmasse bei einer Spannweite von 1,6 Metern. Da das Modell auch noch bei bockigerem Wind einsetzbar sein sollte, entschied ich mich nach eingehenden Studien div. Messtabellen für den 180 Gramm wiegenden AXI 2826/10, der mit dem obligatorischen 3S Lipo mit 5000 mAh (360 Gramm, 10-15C) betrieben werden sollte. Meine Vorgaben und die dazugehörigen Berechnungen ergaben ein max. Abfluggewicht von 2000 Gramm. Gerade richtig, um mit einer 12/6 APC Elektro-Luftschraube eine Flugzeit von 30 bis 40 Minuten bei einem Maximalstrom von ca. 35A zu erzielen. Das entspricht ca. 350-400 Watt Eingangsleistung, was für einen ca. 45°-60° steilen Steigflug bei Vollgas allemal reichen müsste.

So gesehen musste das Modell um etwa 450 Gramm leichter werden. Als erstes kamen alle nicht mehr benötigten Komponenten raus, wie Motor, Motorträger, Tank und die 4 Standardservos samt Graupner C-17 Empfänger und Empfängerakku. Die 3 notwendigen Servos für Quer, Höhe und Seite wurden durch wesentlich leichtere Servos mit 20 Gramm und Micrometallgetriebe ersetzt. Anstelle des Drosselservos kam ein Lipo-tauglicher Regler zum Einsatz mit mindestens 40A Dauerbelastbarkeit und einem starken BEC mit mind. 2A – in meinem Fall ein Turborix 60A Steller mit einem BEC von 3 Ampere.  Als Empfänger hat sich im Flugbetrieb ein Rex 5-Kanal Microempfänger bestens bewährt. Dieser wiegt nur 11 Gramm mit Quarz und ich hatte zuvor damit so gut wie noch nie Reichweitenprobleme.

Der eigentliche Umbau:  
Der Rumpf mit Originalfolie und Fahrwerken wog leer 900 Gramm, die Fläche ohne Servo 550 Gramm. Neu bespannt sollte der Rumpf in etwa 700 Gramm wiegen und  die Fläche maximal 480 Gramm. Da das
Modell jetzt natürlich selbst leichter werden musste, erwartete mich zuerst eine etwas nervige Arbeit: das Entfernen der aufgeschrumpften Folie. Ein Heißluftgebläse oder ein Föhn leistet dabei gute Dienste. Dieser Vorgang kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen, je nachdem, wie fest die Folie auf dem Untergrund hält (Bei mir hielt sie leider wahnsinnig gut!). Danach hieß es, den auf dem Rohbau verbleibenden Kleber der abgelösten Folie und das sich ins Holz eingeschlichene Öl vom Sprit (man sollte es nicht für möglich halten, durch welche Ritzen in der Folie dieses Synthetik-Öl im Laufe der Jahre ins Holz kriechen kann!) mit Terpentin zu entfernen und das ganze Modell abzuschleifen. Es empfiehlt sich erfahrungsgemäß, das ganze Modell ganz dünn mit einen Acrylklarlack zu versiegeln, sonst lässt sich unter Umständen die neue Folie nicht aufbügeln (war bei mir leider anfangs der Fall gewesen).

Jetzt gilt es, dort Gewicht zu sparen, wo es am sinnvollsten ist - ohne eine einzige Sollbruchstelle einzubauen! (Ich weiß, das ist für einen eher unerfahrenen Einsteiger leichter gesagt als getan, aber eine ausführlichere Beschreibung würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen!) Topfbohrer bis 40mm Durchmesser in verschiedenen Größen helfen dabei enorm und die kreisrunden Löcher sehen auch ansehnlicher aus als eckige und reißen im Holz nicht weiter. Den Rest der Aussparungsarbeit einfach mit Balsamesser, Laubsäge und Schleifarbeit erledigen.

Vorsicht bei beplankten Styro-Flächen wie es etwa bei mir der Fall war. Im Bereich des ersten Drittels in der  Flächenmitte nicht zu viel bis gar nichts aussparen, sonst bricht der Tragflügel beim ersten Looping auseinander. Dies gilt im übrigen auch für Rippenflächen. Eine Festigkeitsprobe im unbespannten Zustand der Fläche ist unbedingt zu empfehlen! Gehen Sie dabei folgt vor: Fläche aufrecht auf den Boden stellen und die den Flügel vorsichtig zwischen die Beine klemmen, damit der am Boden aufliegende Randbogen nicht verrutschen kann. (Styropor oder ähnliches weiches Material darunter legen, damit der Randbogen nicht verletzt wird) Jetzt eine Hand in die Mitte des Flügels und die andere an das obere Flächenende legen und dabei Gegendruck ausüben. Also oberes Flächenende mit stetig wachsendem Druck und Gefühl nach oben (also so, dass die V-Form größer wird) und die Flügelmitte nach unten biegen. Hierbei darf ab mittelstarkem bis starkem Druck absolut nichts knacken oder brechen. Besser noch am Boden geprüft wo man noch was ändern kann, als man erntet dann lange Gesichter beim Erstflug. Vermeiden Sie außerdem größere Aussparungen des Materials beim Rumpf im Bereich des Hecks, des Fahrwerks, des Buges und der Flächenaufnahme.

Tipp: Wiegen Sie auch die Räder und sonstige diverse Kleinteile ab. Manchmal hat ein Rad mit 60mm Durchmesser bis zu 30 Gramm. Ein Moosgummirad der selben Größe jedoch nur 10 Gramm. Das sind bei 3 Rädern 60 Gramm Gewichtsreduzierung! Wechseln Sie auch schwergängige und schwerere Bowdenzüge oder Anlenkungsdrähte/Schubstangen aus. Eine 1,5mm CFK-Stab und ein simples Bowdenzugrohr haben zusammen max. 5 Gramm. Achten sie beim Einbau der neuen Anlenkungen darauf, dass diese absolute spielfrei und leicht gängig sind. Sehen Sie sich auch Ihr Hauptfahrwerk bzw. Bugfahrwerk/Heckfahrwerk genau an und ersetzen Sie dieses evtl. durch ein leichteres aus CFK. Mit einem Wort: Feilschen Sie um jedes Gramm (eine elektronische Waage ist Gold wert), denn je leichter Ihr Flieger wird, desto länger sind letztendlich die Flugzeiten und desto besser die Flugeigenschaften.

Als Bespannfolie verwende ich zum Großteil rote Oralight Transparentfolie. Diese lässt sich super aufbügeln und ist zudem noch extrem leicht. Rot hat sich im Flug als besonders dankbare Farbe in punkto Sichtbarkeit erwiesen. Als optischen Aufputz und zwecks besserer Erkennbarkeit der Fluglage wird zu guter Letzt im Bereich der vorderen Flächenoberseite und der Leitwerke noch Oracover Signalorange mit ein paar übrig gebliebenen Zierstreifen aufgebügelt.

„Wow, den sieht man aber super!“ – das habe ich bei dieser Farbgebung schon des öfteren von meinen Flugschülern gehört.

 

Nachdem die komplette RC-Anlage samt Regler und Servos (Ich verwende MC 1000 MG Servos um 12 Euro/Stück und größtenteils original Futaba-Plastikhebel von Standardservos) Die Originalhebel sind meistens zu klein und zu brüchig!) eingebaut ist und der Motorspant für den AXI aus 4mm Pappelsperrholz hergestellt ist, wird dieser mit 5-Minuten Epoxy, Balsaleisten und mit ca. 2 Grad Sturz und eben soviel Rechtszug eingeklebt. Achten Sie auch auf ausreichende Kühlluftöffnungen im Originalmotorspant für den Regler und Akku (siehe Bild rechts).

Der Akku bestimmt den Schwerpunkt. Bei meinem zwei Modellen Thor und Electrick liegt der Akku zwischen ehemaligem Tankdeckel (abnehmbar und mit einem Schnellverschluss versehen) und der Fläche und ist mit Klettband gegen Verrutschen gesichert. Somit ist kein unnötiges Trimmblei erforderlich und der Akku von außen leicht und sekundenschnell wechselbar.

Die Waage zeigt schließlich 1950 Gramm Abfluggewicht und der Motor zieht bei vollem Lipo gemessen ca. 33 Ampere. Im Flug geht die Stromstärke um etwa 10% zurück - also sind anfänglich max. 30A Stromfluss bei voll geladenem Akku zu erwarten. „Plansoll erreicht - auf geht’s zum Einfliegen!“ 

Flugeigenschaften                                                                                                                       Das Modell hebt nach ca. 5-10 Metern Startstrecke ab und steigt mit Vollgas ca. 45 Grad in den Himmel. Es fliegt natürlich wie erwartet wesentlich langsamer als zuvor mit dem Verbrenner und hält sich mit Halbgas in der Luft. Loopings, Rollen, Rückenflug sind absolut keine Schwierigkeit; dieses Mal  ist sogar ein kleiner Außenlooping drin. Nach ca. 35 Minuten beginnt die Akkupower merklich nachzulassen und ich schwebe langsam zur Landung herein. Absolut problemlos aufgesetzt! Das macht Sinn: Kein Lärm, kein Sprit und dafür eine um 75% längere Flugzeit als in der Verbrenner-Version.  „ Verbrenner ade!“ 

Fazit:                                                                                                                                          Mit einer Investition von ca. 220 Euro (Akku und Ladegerät nicht mitgerechnet), einem Arbeitsaufwand von ca. 30 Stunden und dem gewissen Know-how lohnt sich der Umbau auf Elektroantrieb bis zu 3 Lipo-Zellen (4000-5000mAh) allemal. Davon können Sie sich ab sofort selber überzeugen, fall Sie evtl. eines dieser Modell in natura bei mir antesten wollen. Nur so nebenbei: Für den Verkauf des gebrauchten OS LA 46 Motor und der 4 ausgebauten Servos samt Akku und Schalter, habe ich noch immerhin 70 Euro erhalten. Demnach hat mir der Umbau tatsächlich nur ca. 150 Euro gekostet. Ich bin jedenfalls mit dem Electrick rundum zufrieden. Der finanzielle Aufwand und die in das Projekt investierte Arbeit haben sich - wenn man letztendlich mit einer um 75% längeren (nahezu lautlosen) Flugzeit und gutmütigeren Flugeigenschaften als zuvor belohnt wird  - auf jeden Fall mehr als gelohnt!

Wenn die "Verbrenner-Kollegen" schon meist wegen div. Verordnungen wegpacken müssen, fliegt der Electrick noch bis über den Sonnuntergang hinaus munter und lautlos weiter. "Welcome to the future!" :-))

Vorher                                            Nachher

Nachher: "ELECTRIC" mit AXI 2820/10 Brushlessmotor      Nachher: "ELECTRIC" mit AXI 2820/10 Brushlessmotor

              Kyosho Trainer mit Verbrenner, 2.4 kg - 20 Min. Flugzeit            Electrick mit Brushlessmotor, 1.95kg - 35 Min. Flugzeit

Ich hoffe, Ihnen mit meinem Beitrag nützliche und wertvolle Tipps gegeben zu haben und wünsche Ihnen viel Erfolg beim Umrüsten Ihres Modells auf Elektroantrieb. Der Aufwand wird sich sicher auch bei Ihrem Modell lohnen! 

Mit freundlichen Modellfliegergrüßen,                                                                                                     Martin Resch